Die allerwichtigsten Reisemobil-Infos

… gibt es hier. Wer träumt nicht hin und wieder davon, einfach mal einen Ortswechsel zu machen? Loszufahren ohne festes Ziel, mit einem Fahrzeug, das alles an Bord hat zum Kochen, Entspannen und Schlafen? Viele verwerfen diesen Traum gleich wieder. Die Freiheit auf Rädern erscheint ihnen unerschwinglich.

Aber: was brauchen wir wirklich, zum Beispiel für einen ersten Wochenendtrip, um das mobile Leben auszutesten? Man muss ja nicht gleich ein Vermögen in die Hand nehmen.

Um den Einstieg zu erleichtern, zeige ich in diesem Blog verschiedene Möglichkeiten auf, „mobil auf Reisen“ zu gehen. Keine Empfehlungen! Sondern diverse Informationen und Tipps von „Alkoven“ bis „Zugfahrzeug“.

Riesen-Stellplatz am Caravan-Salon

Die 56. Auflage des Caravan-Salons startet am 26. August. Die ideale Gelegenheit, einen praktisch kompletten Überblick über den Reisemobil-Markt in Deutschland zu bekommen. Was liegt näher, als da mit dem Reisemobil vorzufahren?

Für Reisemobil-Besitzer bietet die Messe Düsseldorf 3000 (!) Stellplätze, davon 800 mit Stromversorgung, dazu Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten, Duschen und WC's auf dem Gelände. Für die Dauer des Caravan-Salons gibt es außerdem ein Getränkezelt mit wechselndem Abendprogramm und einen Kiosk. Zu erreichen sind die Stellplätze über die A 44, Ausfahrt Messe auf dem Messeparkplatz P1, unmittelbar neben dem Messegelände. Zum Caravan-Salon sind die Übernachtungspreise ermäßigt.

Bei unserem Messebesuch 2016 war der Platz gut ausgebucht. Mit einer Buchung  vor Ort könnte es knapp werden, die frühzeitige Reservierung im E-Ticket-Shop lohnt sich also.

Diese Messe ist das Größte

… zumindest für alle, die sich für mobiles Camping interessieren: Der Caravan-Salon in Düsseldorf. Die nach  eigenen Angaben „weltgrößte Messe rund um den mobilen Urlaub“ findet zum 55. Mal statt und hat einige Rekorde zu bieten. „Hier in Düsseldorf ist wieder die gesamte Caravaning-Branche vertreten. Insgesamt präsentieren 590 nationale und internationale Aussteller mit 130 Caravan- und Reisemobilmarken ihre Innovationen und aktuellen Modelle in zwölf Hallen sowie dem Freigelände. Auf über 210.000 Quadratmetern werden rund 2.100 Freizeit-Fahrzeuge in allen denkbaren Größen und Varianten zu bewundern sein“, so Joachim Schäfer, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf.

Hier kann jeder sein persönliches Wunschfahrzeug finden, versprechen die Vertreter der Branche. „Angefangen vom kompakten Kult-Caravan über großzügige Reisemobile für Familien bis hin zum rollenden Luxusmodell mit Kamin, Regendusche oder bordeigener Sauna“, sagt Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes e. V. (CIVD). Besonders im Trend lägen nach wie vor kompakte Fahrzeuge wie Kastenwagen oder teilintegrierte Reisemobile, die auch im Alltag vielseitig einsetzbar sind. Eine Vielzahl neuer Caravans und Reisemobile sorgen im Modelljahr 2017 für Abwechslung. Ein aerodynamisches Design und die Verwendung neuer, intelligenter Leichtbaulösungen prägen die aktuelle Generation von Freizeitfahrzeugen. Beim Innenraumdesign stehen intelligente Möbelvarianten, clevere Raumaufteilung und funktionales Design ganz besonders im Fokus.

Eine „ Sonderschau StarterWelt“ soll wichtiges Know-how rund um die Caravaning-Praxis vermitteln. In der StarterWelt gibt es unter anderem Praxistipps und Empfehlungen zu Fahrzeugtypen, Reiserouten, Equipment, der Fahrzeugtechnik oder der richtigen Campingplatzwahl. Genau das richtige also für „Mobil auf Reisen“, wir werden live vor Ort sein!

Rollende Paläste

Sie sind die Königsklasse unter den Reisemobilen. Königlich thronen Fahrer und Beifahrer auf ihren Sitzen im Cockpit, und der „Palast“ fügt sich hinter ihnen nahtlos an. Die Integrierten sind schon äußerlich Fahrzeuge aus einem Guß.
Von dem Serienfahrzeug sind hier noch der Motor, das Fahrwerk und die Armaturentafel mit Lenkrad und Schaltknauf übrig. Das Dach über dem Kopf und vor allem über dem Wohnraum geht nahtlos von vorn nach hinten über, alles ist „integriert“. Gegenüber den Teilintegrierten ist also neben dem eigenständigen Fahzeugdesign der Platz im Cockpit ein großer Vorteil. Für Fahrer und Beifahrer macht sich das großzügige Raumgefühl vor allem auf langen Fahrten bemerkbar.
Diese mobilen „Paläste“ haben natürlich ihren Preis und von hier aus sind nach oben keine Grenzen gesetzt – weder bei der Ausstattung noch beim Kaufpreis. Für Reisemobil-Enthusiasten, die viele Wochen im Jahr auf langen Strecken unterwegs sind, kommen sie wahrscheinlich früher oder später in die engere Wahl.

Flachnasen mit markantem Übergang

Von der Supernase zur Flachnase: So großzügig der Raum über dem Fahrerhaus beim Alkoven-Mobil genutzt ist, so großzügig muss man auch an der Tankstelle sein. Der Luftwiderstand ähnelt bei den „Supernasen“ dem einer Schrankwand und treibt den Verbrauch in die Höhe. Ein akzeptabler Kompromiss hört auf den Namen „Teilintegrierte“. Von außen sind sie gut an dem markanten Übergang zwischen Fahrerhaus und Wohnaufbau zu erkennen, und eben an der flachen Nase über der Frontpartie.

Hier ist zwar, wie beim Alkovenmobil, das Fahrerhaus mit dem Wohnraum verbunden, nur eben ohne die Schlafnische darüber. Trotzdem gibt es meistens auch das Querbett vorn, es wird heruntergeklappt oder heruntergefahren, wenn das Wohnmobil steht. Allerdings stehen dann die Vordersitze und Teile des Esstisches nicht mehr zur Verfügung.

Wenn man zu viert unterwegs ist, muss vorn also immer zum Schlafen umgebaut werden. Und zum gemeinsamen Frühstück.

Die Supernasen

Sie sind die eigenständige Urform des „Wohnmobils“ und gehören zu den beliebtesten Reisemobil-Bauformen der Vermieter. Die Schlafnische über dem Fahrerhaus – Alkoven genannt – hat das Erscheinungsbild und den Spitznamen („Nasenbär“) dieser Reisemobilklasse geprägt.

Der Trick, ein mehr oder weniger vollwertiges Bett über dem Kopf von Fahrer und Beifahrer anzuordnen, hat natürlich unschlagbare Vorzüge. Trotzt sehr kompakter Abmessungen kann so ein Alkoven-Reisemobil viel Wohnraum anbieten und bei komfortabler Ausstattung vier oder sechs Schlafplätze bieten. Größere Kinder lieben es, mit der Leiter in diesen separaten und doch nicht ganz vom Rest abgeschotteten Bereich aufzusteigen. Da oben kann das Bettzeug liegen bleiben, ein Bett ist immer schon gemacht.

Zwangsläufiger Nachteil ist die große Aufbauhöhe. Wenn der Alkoven einigermaßen Bewegungsfreiheit erlaubt, ist der Luftwiderstand und das Seitenwindverhalten des Fahrzeugs schon beachtlich und unter jeder Brücke heißt es, aufpassen – wie hoch sind wir? Ansonsten ist bei einem Alkoven-Mobil schon mal alles drin, alles dran, was eine Familie für einen Sommerurlaub braucht.

Alternativen sind die teilintegrierten und vollintegrierten Reisemobile. Dazu in den kommenden Monaten mehr.

Eine andere Gewichtsklasse

Man muss auf sein Gewicht achten. Das gilt ganz besonders beim mobilen Reisen und da speziell an der 3,5-Tonnen-Grenze. Man könnte sagen, es gibt zwei Arten von Reisemobilisten: die unter 3,5 t Fahrzeuggewicht und die oberhalb. Dass das so ist, hängt ganz einfach mit gesetzlichen Bestimmungen zusammen.

So dürfen alle, die vor dem magischen Datum 1. Januar 1999 ihre PKW-Lizenz gemacht haben (Führerschein Klasse 3), Reisemobile bis 7,5 Tonnen (zulässiges Gesamtgewicht) bewegen. Wer seinen Führerschein der Klasse C für den PKW nach dem 1. Januar 1999 bekommen hat, darf damit nur Fahrzeuge bis 3,5 t  fahren. Für 7,5 t muss zusätzlich die LKW-Klasse C1 erworben werden und die gilt auch zunächst nur bis zum 50. Geburtstag, danach geht es alle 5 Jahre zur einer ärztlichen und einer Augen-Untersuchung.

In jedem Fall gilt, dass ein Fahrzeug über 3,5 t sich nach den Verkehrsregeln für LKW richten muss. Für Reisemobile der Schwergewichtsklasse gilt in Deutschland Tempo 80 außerorts. Auf Autobahnen zwar Tempo 100, aber wo auf Autobahnen ein Überholverbot für LKW ausgeschildert ist, darf auch das Reisemobil nicht überholen – das heißt dann: Einreihen, bitte in die LKW-Kolonne, auch wenn diese gerade den Berg hochkraxelt. Dazu kommen höhere Mautgebühren, z.B. in Österreich und der Schweiz – und so manche Straße zu einem Geheimtipp-Stellplatz, die für LKW gesperrt ist.

Natürlich gibt es auch unschlagbare Vorteile der „Schwergewichte“. Wer gern noch etwas Ausrüstung dabei hat wie ein Schlauchboot, ein kleines Motorrad etc. oder gern durch größere Wasser- und Abwassertanks längere Zeit unabhängig unterwegs sein möchte, der wird sich möglicherweise für die „größere Schwester“ des Wunschmobils entscheiden. Denn bei den 3,5-Tonnern ist die mögliche Zuladung schnell ausgereizt. Und wer dann nicht auf sein Gewicht achtet, kann erheblichen Ärger bekommen. Mobile Wägeanlagen sind bereits erfunden und werden von der Polizei in der Urlaubszeit auch schon häufiger eingesetzt.

Alles im Kasten

Darf’s ein bisschen mehr sein als im „Bulli“? Stehhöhe im ganzen Wohnbereich? Toilette und Waschbecken? Ein richtiges Doppelbett? Einbauküche? Und trotzdem noch einigermaßen innenstadttauglich? Dann kommt als nächstes ein Kastenwagen in Betracht. Das ist zum Beispiel ein mittelgroßer Lieferwagen – dessen Aufbau ja eigentlich für das Transportieren von Paketen und Paletten optimiert ist, also mit relativ geraden Seitenwänden, vielen Befestigungsmöglichkeiten, Doppeltüren hinten. Auch hier liegt es nahe, diesen Raum für den Ausbau zu nutzen. Und wenn die sonst vorhandene Trennwand zwischen Laderaum und Fahrerkabine wegfällt und seitlich ein paar Fenster eingebaut werden, kann aus so einem Nutzfahrzeug ein richtiges Reisemobil werden, das dann auf den Namen „Kastenwagen“ hört. Das sind also ziemlich kompakte Fahrzeuge, die ihre Lieferwagen-Herkunft äußerlich nur schwer verleugnen können, wie z.B. Mercedes Sprinter, Fiat Ducato, Iveco Daily. Aber auch innen kann man rund um die Fenster und an den Hecktüren noch das lackierte Blech sehen. Die vollständige Isolierung und damit Wintertauglichkeit ist in dieser Klasse häufig noch kein Thema. Die Ausstattung ist dagegen oft schon recht komfortabel und für den Urlaub einer kleinen Familie durchaus geeignet.

Die Qual der Wahl beginnt bei der gewünschten Gesamtlänge des Fahrzeugs, denn jedes Plus an Komfort bei der Einrichtung benötigt Platz. Die erste magische Schwelle ist bei 5,99 m. Wer mit der Autofähre z.B. nach Skandinavien möchte, kommt mit mehr als 6 m Länge möglicherweise in eine höhere Preiskategorie, mit dem Autoreisezug nach Sylt geht es auch nur bis 6 m. Natürlich geht es immer auch um die Anschaffungskosten: Wir befinden uns hier bereits oberhalb der 30.000 EUR für ein neues Reisemobil, und jeder Zentimeter Länge lässt auch diesen Preis ansteigen.

Ein noch schwerer wiegender Faktor ist das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs. Hier liegt eine Schwelle bei 3,5 Tonnen – mit weitreichenden Folgen. Dazu mehr in der April-Ausgabe.

Die Bulli-Klasse

Für viele war und ist dies der Einstieg in die Welt der Wohnmobile. Schon in den fünfziger Jahren gab es mit dem VW-Bus (den mit der geteilten Frontscheibe) eine Art „Lieferwagen auf PKW-Basis“. Der von der Seite zugängliche Laderaum war immerhin so groß, dass man ihn wohnlich einrichten konnte, und so gab es bereits für das erste Modell des Bulli (auch “T1“) schon eine Camping-Box mit Kocher und Spüle als Zubehör. Durch die Zusammenarbeit mit der Firma Westfalia gab es den T1 ab 1961 mit einer kompletten Campingausstattung inklusive Bett, optional auch aufklappbarem Hochdach. Und hier beginnt tatsächlich eine andere Qualität des mobilen Wohnens. Der Mensch zeichnet sich durch aufrechten Gang aus – und das Aufstell- oder Hochdach ermöglicht dies auch in dem Fahrzeug. Die Aufstelldächer werden einfach nach oben gedrückt oder geschwenkt und bestehen aus einem festen Teil (meistens aus Kunststoff) und einer Zeltbahn, die den Regen abhält, so gut wie das ein Zelt auch kann. Ein Hochdach dagegen ist ein fest montierter Dachaufbau, der niedrigere Außentemperaturen zulässt, aber auch auf Dauer die Fahrzeughöhe verändert. Oft lässt sich das Dach zu einem weiteren Bett umbauen – damit wird eine kleine Familie reisefertig.

Es gibt wohl kein Fahrzeug in der „Bulli-Klasse“ (beim VW sind wir beim T6 angekommen; daneben gibt es z.B. Mercedes V-Klasse, Ford Transit, Opel Vivaro, Renault Trafic, Citroën Jumper…), das nicht auch mit Campingausstattung und Stehhöhe zu haben wäre – sei es ab Werk oder durch die zahlreichen spezialisierten Ausrüster. Die Preise für einen entsprechend ausgestatteten „Campingbus“ sind allerdings auch schon im Bereich eines PKW’s der oberen Mittelklasse angesiedelt. Dafür hat man dann ein noch gut alltagstaugliches Fahrzeug, mit dem man auch bei der Parkplatzsuche in der Stadt nicht verzweifelt, mit dem man in die meisten Tiefgaragen hinein- (und auch wieder heraus-) kommt – ausgenommen mit festem Hochdach –, ebenso auch auf das PKW-Deck von Seefähren.

Die Vielfalt an Fahrzeugen auch auf dem Gebrauchtmarkt hat auch dazu geführt, dass sich sehr viele handwerklich Begabte selbst an den Ausbau eines Kleintransporters machen. Für alles erdenkliche Baumaterial und Zubehör gibt es zahlreiche Lieferanten und man kann ohne Weiteres ein kleines Vermögen in seinem Bulli verbauen. Spätestens bei der Elektro- und der Gasinstallation greifen allerdings gesetzliche Bestimmungen, die dem Selbstbau Grenzen setzen.

Und wie sieht es mit gebrauchten Wohnmobilen in der Bulli-Klasse aus? Gut! Das Angebot von T3 bis Transit ist recht gut, allerdings sind auch für 20 Jahre alte Fahrzeuge, wenn sie gut erhalten sind, Euros im Wert eines neuen PKW zu berappen. Und auch hier gilt die alte Regel, zum Kauf jemanden mitzunehmen, der sich gut mit Wohnmobilen auskennt. Unerkannte Mängel können die Anschaffung sehr schnell zu einem finanziellen Abenteuer machen. Die meisten Wohnmobilisten gehen aber eher sehr pfleglich mit ihrem mobilen Heim um, so dass es sich auch nach –zig Jahren noch sehen lassen kann.